Das Protokoll eines Heulkreisch-Tages

Gestern war ein schlimmer Tag. Ja, er war schlimm und ich war zwischenzeitlich so fertig, dass ich am liebsten irgendwas kaputt geschlagen hätte. Der Padawan hat stundenlang – wirklich STUNDEN lang – geweint. Und das war anstrengend. Sehr anstrengend.

Es ist ja nicht so, dass das Baby dann einfach weint und man es tröstet und dann ist alles wieder gut. Nö. Das wär ja auch zu einfach.
Irgendwann mittags so zwischen 12 und 13 Uhr fing der Padawan an zu weinen, was sich bald in fieses Schreien steigerte. [Ich hatte noch nichts gegessen, da der Padawan und ich lange schliefen.] Vielleicht kennt ihr das, wenn ein Baby so sehr weint, dass es vergisst Luft zu holen und man nur da steht und zu ihm sagt „Jetzt hol doch mal Luft! Vergiss das atmen nicht!“ – zum Glück verfalle ich da schon gar nicht mehr in Panik sondern bin da eigentlich recht cool.

Ich probierte ihn zu stillen. Das ging nur kurzzeitig – er meckerte, warf den Kopf hin und her, schrie, brüllte… das war es also nicht. Okay. Also versuchte ich es mit tragen, singen, schuckeln. Irgendwas. Bewegung hilft ja auch oft. Ich trug ihn also auf dem Arm, lief durch die Wohnung und sang oder summte irgendwelche Kinderlieder, die mir gerade in den Kopf kamen. Von „Kling Glöckchen“ über der „Kuckuck und der Esel“ bis hin zu „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“ war wirklich alles dabei. Ich warf die Staubsauger App an.
Nichts half.

Mit jeder Minute wurde auch ich innerlich unruhiger, verkrampfter und wollte nur noch, dass er aufhört zu weinen. Und ja, das war der erste Zeitpunkt, an dem ich am liebsten irgendwas gegen die Wand geworfen hätte.

Dann – oho! – zog ich ihm einfach mal die Windel aus und siehe da, es war Ruhe. Die war allerdings nicht von Dauer. Nach 10 Minuten ging das heulkreischen wieder von vorne los. Seufz.

Also bereitete ich die Badewanne vor. Es war jetzt etwa 16 Uhr. Der Padawan badet unglaublich gerne und da warmes Wasser ja auch entspannt, war das ja vielleicht eine gute Idee. Zwischenzeitlich klagte ich auf Twitter mein Leid. [Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch immer nichts gegessen.] Das Baden klappte erstaunlicherweise richtig gut. Er plantschte mit den Füßen, spritzte mit Wasser und gluckste ein wenig vergnügt vor sich hin. Puh! Was eine Erleichterung. Nach dem Baden gab es eine Massage, frische Kleidung und dann wurde nochmal eine Runde gestillt und anschließend gekuschelt. Wunderbar. Aber auch nur bis hier hin. Denn kaum war er eingeschlafen, und ich stand auf, weil ich verflucht nochmal HUNGER hatte, fing er an zu weinen und steigerte sich binnen Sekunden erneut ins Heulkreischen. Vermutlich will er einfach nur Nähe. Ich schnappte mir eine Milchschnitte aus dem Kühlschrank und sprang wieder zum Padawan ins Bett.

Natürlich beruhigte er sich nicht.

Also kam er ins Tragetuch. Ich tanzte, wippte, und spazierte durch die Wohnung – nein, auch das war nicht gut. Er schrie und schrie und es kullerten dicke Tränen seine Wangen hinunter. Wieder stillen, kuscheln, pucken, festhalten. Nein… gar nichts ging.

Ein Kaffee, den ich mir vor Stunden gemacht hatte, war natürlich kalt. Ich klagte dem Padawan Papa mein Leid, aber aus der Ferne machen konnte der natürlich auch nichts. Ich war völlig am Ende und hätte mich am liebsten weinend ins Bett gelegt und mir die Decke über den Kopf gezogen. Der Padawan schrie einfach nur in einer Tour. Bauchmassage, Kümmelzäpfchen, Fliegergriff und der ganze Kram, der gegen Blähungen helfen soll, habe ich probiert. Aber es war alles nicht gut.

Langsam begann ich an mir zu zweifeln. Wieso verstehe ich denn mein Baby nicht? Wieso merke ich nicht, was er hat? Wieso kann ich ihn nicht beruhigen? Wie schlimm muss das bitte für ihn sein, dass ich ihm nicht helfe. Und so lagen wir zeitweise beide weinend im Bett. Ich weiß gar nicht, ob man diese Verzweiflung überhaupt in Worte fassen kann.

Irgendwann nach 21 Uhr kam dann der Padawan Papa, der bis dann gearbeitet hatte, vorbei. Da hatte der Padawan sich aber schon so langsam beruhigt und ich hatte das Gefühl, dass niemand mitbekommt, wie schlimm dieser Tag wirklich war. Aber ich hatte eine Ablösung, sodass ich endlich mal ein paar notwendige Dinge tun konnte. Ein Sofa aufbauen, das der Padawan Papa mitgebracht hatte. Aufräumen. Trinken. Etwas essen. Uff…

Als der Padawan nachts schlief, habe ich mich dann nochmal hingesetzt und ein wenig was für mich gemacht. Es wurde dann zwar nach 3 Uhr bis ich ins Bett kam, aber das war wirklich nötig. Ich musste einfach mal eine Stunde abschalten.

Und was war heute morgen? Da schlief der Padawan neben mir, als wäre nichts gewesen. Hachja…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu