Als Mutter musst du glücklich sein, haben sie gesagt.

Wenn man ein Baby bekommt, sprudelt das Herz vor Liebe über. So wird es immer wieder erzählt. So soll es sein. Und so wird es ganz bestimmt auch sein, dachte ich mir während der Schwangerschaft mit dem Padawan. Bei den beiden großen Kindern war das schließlich auch so.

Aber diesmal war einfach vieles anders. Das alles war so nicht gewollt. Zu Beginn der Schwangerschaft eine Entscheidung zwischen Pest und Cholera für mich. Ich habe mich dennoch für den Padawan entschieden. Also gegen eine halbwegs gesicherte Zukunft. Gegen eine Beziehung. Gegen all das, was ich hatte. Und habe mich einfach Hals über Kopf ins Ungewisse gestürzt. Ich scheiterte kläglich. Alles um mich herum zerbrach, doch ich hatte dieses kleine Baby, für das ich stark sein musste.

Ich wurde depressiv, bin es phasenweise noch heute. Tage an denen ich mich zu nichts aufraffen kann, ein schwerer Mantel auf mir liegt und ich froh bin, wenn ich das nötigste geschafft bekomme.
Das alles wird anders, wenn das Baby da ist, habe ich mir gesagt. Du wirst es lieben. Du wirst ihn sehen und all die Glücksgefühle, die du dir so sehr herbeisehnst werden dann da sein. Es wird dich erfüllen. Du wirst glücklich sein. Ich habe diese Momente so sehr herbei gesehnt.

Dann war der Padawan geboren. Er lag in meinen Armen und ich wartete auf dieses Gefühl.

Nichts.

Kein Glück. Einfach nur froh, es endlich hinter mich gebracht zu haben. Diese komische Situation in der ich zwar nicht alleine war, mich aber vollkommen alleine fühlte.

Das wird schon noch kommen, sagte ich mir. Vielleicht brauche ich ein bisschen um das alles zu begreifen. Aber in mir schrie etwas, was ich denn eigentlich hier mache. Das ist doch vollkommen absurd so ein Baby. Jetzt. Das geht doch nicht.

Tja, dafür war es nun zu spät. Also brüllte ich innerlich ein noch lauteres „Haltet die Klappe!“ und schaute mein Baby an.

Das übersprudelnde Glück, auf das ich so sehr gewartet hatte – es kam nicht. Und es sollte auch nicht mehr kommen.

Ich habe die Situation angenommen. Selbstverständlich liebe ich mein Baby, das ist gar keine Frage – schließlich ist das von der Natur so vorhergesehen. Ziemlich geschickt eigentlich. Aber diese Liebe ist diesmal einfach anders. Sie ist nicht gefüllt mit Glück, sondern fühlt sich ziemlich leer an. Sie ist zart und zerbrechlich. Vorsichtig und scheu.

Außerdem merke ich immer mehr, wie ich diesmal in meiner Rolle als Mutter so überhaupt nicht aufgehe. Es erfüllt mich nicht. Die richtigen Worte zu finden fällt mir schwer – aber das Baby ist da, muss bestmöglich umsorgt werden, was es auch wird, aber mehr? Die ganzen Müttergespräche hängen mir zum Hals raus. Doch alle anderen um mich herum scheinen darin voll aufzugehen. Warum ist es nur diesmal so anders? Es hängt wohl mit dem nicht vorhandenen Mutterglück zusammen.

Wenn der Padawan mich anlacht – klar ist er niedlich, klar könnte ich ihn fressen. Das muss ja evolutionsbedingt so sein. Aber dieses letzte Quäntchen. Das fehlt.

Das sprudelnde Glück in meinem Herzen.
Es ist nicht da.

8 Kommentare

  1. Es ist so schön, dass auch mal von einer anderen Mutter so zu lesen…
    Ich fühle zu einhundert Prozent mit dir… Meiner ist mittlerweile 5 und es ist leider bis heute nicht viel besser geworden, aber ich liebe ihn und so muss es schließlich sein…

  2. Dann gib ihn doch einfach zur Adoption frei…Kontakt kannst du trotzdem halten und andere Familien wären unsagbar dankbar für ein Kind! Ich hoffe, das dein Sohn diesen Artikel nie lesen wird.

    1. Wie gerne würde ich jetzt gerne ausfallend werden, wie du dir anmaßen kannst so etwas zu sagen.
      Aber ich bleibe lieber höflich.
      Es ist schon sehr traurig, dass du offenbar keinen Funken an Empathie besitzt. Du glaubst gar nicht, wie viele Menschen mir schreiben, dass ich nicht mit solchen Gedanken alleine bin.
      Ich sage an keiner Stelle, niemals, dass ich mein Kind nicht liebe – aber vielleicht fehlt dir einfach die Weitsicht, dass eben nicht allen Menschen die Sonne aus dem Arsch scheint.
      Die allermeisten Mütter und auch Väter wollen glücklich sein.
      Du bist einer der Gründe, warum diese Menschen Angst haben offen über ihre Gefühle zu reden.

      Ich hoffe dass deine Kinder, solltest du welche haben, fein fühliger und empathischer sein werden. Du bist ihnen da kein gutes Vorbild.

      Wenns dir nicht passt, was ich schreibe, dann troll wo anders rum.

    2. Und wer so Empathieliste ist sollte nie eins bekommen.

      Fühlt sich scheiße an so ein Spruch oder? Das was du hier liest nennt sich babyblues, Depression. Die gibt es und es ist nunmal eine Krankheit und es heißt nicht das das Kind deswegen misshandelt wird oder sonst was. Man kann. Auch irgendwann da raus kommen. Mit Hilfe. Aber so Menschen wie du, machen es nicht leicht.
      Aber was will man von jemandem erwarten der null Empathie hat? Und ja es ist richtig drüber zu schreiben und ja es ich’s richtig auch später mit dem Kind drüber zu reden! Die liebe von meinen Sohn und seine. Papa ist auch erst viel später gewachsen. Ist sie daher falsch@ hatte er deswegen mich und das Baby verlassen sollen, weil er null mit den kleinen weißen anfangen konnte? Nein. Fast 1 Jahr hat es gedauert bis er seine Vaterrolle annahm und biete nach 9 Jahren ist er der beste Papa der Welt und tut so viel für seinen Sohn. Ja die Zeit war schwer. Aber so sind Depressionen eben. Nicht fair und nicht leicht.

  3. Und weil dir Leute schreiben, dass du mit dieser Situation nicht allein bist, ist sie gut für dein Kind? Natürlich schreibst du, dass du dein Kind liebst- aber eben evolutionsbedingt und weil es von der Natur so vorgegeben ist. Und du verneinst ja sogar explizit, dass dein Herz vor Liebe übersprudelt!

    1. Niemand sagt, dass mein Kind leidet. Oder dass es meinem Kind schlecht geht. Das müsste mir mal jemand zeigen.

      Und nur weil man selbst nicht glücklich ist, heißt das noch lange nicht, dass man nicht alles für sein Kind tun würde oder dass das Kind unglücklich ist.

    2. Heilige Scheiße… wenn man danach geht und jeder ehrlich wäre, müssten verdammt viele ihre Kinder abgeben! Und viele Paare sollten sich wohl am besten trennen, weil der Gefühlsrausch der ersten Zeit weg ist. Woraus bitteschön willst du hier ableiten, dass das Kind negativ beeinträchtigt wird? Solange man gewisse Dinge nicht an ihm auslässt, ist doch meistens alles tutti. Und ganz ehrlich – ich würde das gar nicht wollen, das Zentrum des Universums für meine Eltern zu sein. Wie heißt es so schön – Liebe muss nicht perfekt sein, sondern echt. Im Übrigen ist das mit Natur oder Evolution kein Argument – da stammen nämlich auch die sprudelnderen Formen der Liebe her.

      Ich weiß ja nicht, was jemanden dazu treibt, so einen empathie- und hirnbefreiten Mist abzusondern. Ich hatte selbst zwei Fehlgeburten, fühle mich deswegen aber noch lange nicht dazu berechtigt, allen Eltern, die in meinen Augen nicht den Pokal ‚beste Eltern der Welt‘ verdienen, anmaßend auf die Füße zu treten.

  4. Bin kein Vater. Kann die Lage nur schwer beurteilen. Was mich aufhorchen lässt ist das „es muss ja so sein“. Das finde ich halt falsch. Nein, es muss nicht so sein. Das du dich immer wieder darauf berufst, wirkt wie ein Rettungsanker.

    Ich bin mir halt sicher das du das beste für dein Kind möchtest. Aber ob das wirklich Liebe ist? Ich bin selbst mit einer Mutter aufgewachsen die mich nicht liebte. Und glaub mir irgendwann wird der kleine das merken. Egal wie sehr sich um ihn gekümmert wird. Meine Mutter tat das auch aber echte Liebe und Glück sind was anderes.

    Vielleicht ist es deine Situation. Du hast dich sehr auf das Kind gefreut. Dann kam die Trennung. Nun ist der kleine Mann da und es gab keinen Schlussstrich für alles.

    Bin mir sicher das du dein bestes tust aber bei mir schrillen hart die Alarmglocken. Gerade als jemand der das alles selbst durchlebt hat.

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