Der erste Geburtstag

Es dauert gar nicht mehr so lang, dann wird der Padawan schon ein Jahr alt. Ein Jahr. Zwölf Monate. Dreihundertfünfundsechzig Tage. 

Aber wie feiert man den ersten Geburtstag? Feiert man den überhaupt? Und wie verändert sich das so von Kind zu Kind?

Beim ersten Kind musste noch alles toll geplant sein. Geschenke, eine Feier, Kuchen, Luftballons – die riesen Party! 
Das Kind hat das herzlich wenig interessiert. Es war völlig überfordert mit den Geschenken, den ganzen Menschen, die alle auf einmal da waren und Zucker kannte es in der Form bis dahin ja auch nicht. Also hatte ich ein wie auf Speed herumflitzendes Baby Kleinkind, das die ganzen Eindrücke überhaupt nicht verarbeiten konnte. Jeder wollte die Aufmerksamkeit des Kindes für sich beanspruchen, es auf dem Schoß haben, mit ihm Geschenke auspacken und und und… Von der völlig übertriebenen Geschenkeflut mal abgesehen, war das alles einfach viel zu viel. Zu viel Zucker, zu viele Eindrücke, zu viele Geschenke, zu viele Menschen.

Beim zweiten Kind war das schon nicht mehr ganz so spektakulär. Klar gab es Geschenke, aber man wird ja schlauer. Da dieses Kind ja auch ein anderes Geschlecht hatte, musste natürlich auch gegendertes Spielzeug her (Jaaa, ich war so jung und uninformiert!). 
Es gab einen etwas kleineren Kuchen, es kam weniger Besuch und es gab auch weniger Geschenke. Aber auch so hatte dieses Kind nicht wirklich Interesse an den geschenkten Spielzeugen oder anderen Dingen. Klar wurde der Kuchen gegessen und natürlich waren es immer noch viele Eindrücke, aber es war bei weitem nicht so stressig, wie der erste Geburtstag der Erstgeborenen.

Man kann übrigens sagen, dass das Interesse des Umfeldes mit Anzahl der Kinder sinkt. Erstes Kind ist so „Wooow! Ein Baby!!!“, beim zweiten Kind dann schon so „Ach niedlich, ein Geschwisterchen.“ und beim Dritten dann „Oh, echt? Noch eins?“ – alle Eltern mit mehr als zwei Kindern kennen das, da bin ich mir sicher.

Und natürlich denkst du dir als Mutter dann „Alter, wofür mach ich mir überhaupt den ganzen Stress?“ Genau! Sind wir mal ehrlich: Wofür eigentlich?

  • um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden
  • damit das Kind einen schönen Tag hat
  • damit der Geburtstag des Kindes gefeiert wird
  • weil man seine eigenen Vorstellungen verwirklichen will
  • damit man dem eigenen Kind das bietet, was man selbst nie hatte

Tja, da sind wir bei den eigenen Ansprüchen. Klar, das Kind soll wissen (in wie weit man das dann als Einjähriger begreift lassen wir hier mal außer Acht), dass es ein besonderer Tag ist. Natürlich darf man dann ein Liedchen singen, eine Kerze anzünden und etwas besonderes machen.
Aber wir wissen doch alle, dass man völlig verzweifelt am Vorabend in der Küche steht, um den Kuchen fertig zu bekommen – dann muss man noch Geschenke einpacken, schließlich kommt man ja sonst nicht dazu, das Kind ist ja ständig wach. Man möchte noch den Geburtstagstisch fertig machen, alles soll hübsch sein, denn man braucht die perfekten Fotos fürs Familienalbum. Und dann lädt man sich Tante, Onkel, Oma, Opa und was weiß ich wen alles ein – eigentlich herrscht der größte Familienzwist aber man will sich das ja alles geben, denn es ist doch so wichtig fürs Kind, dass sein Geburtstag gefeiert wird. Zum Schluss hängt man dann da, versucht Streit zu schlichten oder zu verhindern, ist selbst völlig genervt und würde am liebsten allen sagen, dass sie mal ihre Klappe halten sollen. Nebenbei beruhigt man dann noch das weinende Kind, weil es nicht zur Oma auf den Arm will, da es genau JETZT anfängt zu fremdeln (kein Wunder bei so vielen Menschen, die alle was von einem wollen). Letztendlich ist man, wenn die liebe (haha!) Verwandtschaft weg ist, so gestresst, dass man direkt mal zwei Wochen Urlaub gebrauchen könnte.

Und wofür den ganzen Aufwand? Das Kind interessiert es nicht. Man hat selbst nur Stress. Wir sind hier nur beim ersten Geburtstag, nicht bei Geburtstagen generell. Es ist also im Endeffekt alles für die Katz.

Ich selbst habe auch meine Ansprüche und würde dem Baby am liebsten eine dreistöckige Star Wars Schokocreme Torte hinstellen und alles hübsch dekorieren und und und. Ich weiß aber auch, dass ich halb wahnsinnig werden würde und es den Padawan letztlich überhaupt gar nicht interessiert. Also muss ich meine eigenen Ansprüche echt runter schrauben, denn ich will ja möglichst wenig Stress.

In Sachen Spielzeug und Geschenke wird man von Kind zu Kind minimalistischer. Von den Großen ist vom Babystuff nichts mehr da, es muss also alles neu angeschafft werden. Aber braucht man den ganzen Kram überhaupt? Ist nicht das, was eh da ist, viel interessanter? Wer braucht schon Spielzeug? 

Ich überlege dem Padawan zum ersten Geburtstag einfach eine Rolle Geschenkpapier zu schenken.
Reicht doch, oder?— Frau Skywalker (@Frau_Skywalker) 8. September 2018

Auch mit der Feierei werde ich es echt simpel halten. Selbstverständlich gibt es morgens eine Kerze, ein Liedchen und ein paar Luftballons – aber Kuchen und viele Geschenke? Ich bin mir da noch nicht so sicher…es wird auf jeden Fall keine „Awwww, mein Baby wird EIN Jahr alt“ mega Party mit drölfzig Geschenken, aller Verwandtschaft, abgestimmter Deko und fondantumhüllter Riesentorte.

Vielleicht reicht wirklich eine Rolle Geschenkpapier.

Wie feiert ihr den ersten Geburtstag? Oder wie habt ihr ihn gefeiert? Gab es bei euch Unterschiede von Kind zu Kind?

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