Vergessene Plätzchen

Weihnachtszeit. Da ist sie nun also. Früher habe ich sie geliebt. Plätzchen backen, Kerzen, Kälte, Gemütlichkeit… dieser ganze Weihnachtszauber war genau meine Welt. Oft wollte ich schon Anfang November alles weihnachtlich dekorieren, Weihnachtslieder singen und möglichst viele verschiedene Sorten Plätzchen backen. 

Doch vor drei Jahren starb meine Mama. An Weihnachten. Seither liegt für mich persönlich eine große Last auf dieser zauberhaften Zeit. Drei Jahre ist es her. Eine lange Zeit, mag ein mancher meinen. Aber nein. Drei Jahre ist gar keine lange Zeit. Es waren bisher erst zwei Weihnachtsfeste ohne sie. Das dritte steht nun kurz bevor. Mit jedem Türchen, das im Adventskalender geöffnet wird, rückt dieser Zeitpunkt näher. In den letzten Jahren hat mich die Trauer gelähmt, was das Ganze für mein Umfeld auch nicht unbedingt einfach gemacht hat.

Im letzten Jahr habe ich mich mehr oder weniger zur Weihnachtsstimmung gezwungen. Das wurde mir grad eben wieder bewusst, als ich die alten Plätzchen in den Keksdosen fand. Vom letzten Jahr.
Ich habe sie gebacken, lieblos eingeräumt und weggestellt. Gegessen hat sie niemand. Schade eigentlich. Ich kann mich gar nicht erinnern, dass ich überhaupt davon gegessen habe. Und nun liegen sie im Müll.
Früher habe ich immer so viel gebacken. Meine Mama und ich haben dann oft gebackene Plätzchen getauscht. Wir haben ihr eine große Dose geschickt und sie uns. Das war immer eine große Freude. Leider geht das jetzt nicht mehr.

Doch ich möchte diesen Zauber der Weihnachtszeit so gerne zurück haben. Ich will mich wieder freuen können. Ich möchte die Zeit genießen, will wieder positive Dinge mit dem Dezember verbinden. 
Aber darf ich das? Ist es richtig? Natürlich darf ich. Und ich glaube auch, dass meine Mama sich das gewünscht hätte. Dass sie gewollt hätte, dass Weihnachten für ihre Enkelkinder immer etwas ganz besonderes ist.

Die Frage ist wohl eher, ob ich mir selbst erlaube, die Trauer los zu lassen. Ob ich es zulassen kann, wieder schöne Erinnerungen mit Weihnachten zu verbinden. 
Und ja, ich will es versuchen. Vielleicht kann das nach drei Jahren endlich funktionieren, dass ich ein schönes Weihnachten haben werde und trotzdem an sie denke. Ohne Schuldgefühle. Ohne Gedanken daran, was ich hätte anders machen können oder wie ich etwas möglicherweise hätte verhindern können. Ich möchte ein Stück der Leichtigkeit zurück. 

Und vielleicht geht das ja. Ich möchte Plätzchen backen, Weihnachtslieder singen und ich möchte es weihnachtlich haben.

Gleich gehe ich in die Küche und backe die erste Sorte Kekse. Und dann werde ich sie nicht in die Dose packen und wegstellen. Sie kommen auf den Tisch. Schließlich sollen sie nicht vergessen werden.

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